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Lebenslauf von Jakob Nüesch, Kunstmaler

Ein schwieriger Weg

Geboren wurde Jakob Nüesch am 1. Nov. 1845 auf dem Berg, oberhalb des Dorfes Balgach. Zusammen mit fünf Geschwistern wuchs er auf dem elterlichen Heimwesen in recht bescheidenen Verhältnissen auf. Jakob war geistig sehr rege, aber immer etwas kränklich. Seine Eltern, Heinrich und Anna Barbara Nüesch, hätten aus ihm gerne einen Bauern oder Handwerker gemacht, aber dazu war Jakob zu schwächlich. In der Realschule in Altstätten wurde sein zeichnerisches Talent entdeckt. Mit 18 Jahren war er bereits Schüler der Zeichnungsschule für Industrie und Gewerbe in St. Gallen. In Gottlieb Bion, Zeichnungslehrer und Gründer des Kunstvereins St. Gallen, fand Jakob einen väterlichen Freund. Gottlieb Bion munterte den oft mutlosen Jakob Nüesch auf. Aber nicht nur das, oft vermittelte er ihm Stipendien, die seinem Schützling den Aufenthalt und die Schule fern von zu Hause ermöglichten. Vier Jahre lang blieb Jakob Nüesch in St. Gallen.
1869 schickte ihn Gottlieb Bion an die Akademie der bildenden Künste nach München. In München fand Nüesch viele Anregungen und viele gute und treue Freunde. Er lernte viel und war meistens glücklich. So schrieb er im Jahre 1873 an seine Eltern: "Ich habe mein geliebtes München glücklich erreicht und alle Freunde im besten Wohlsein wieder getroffen. Wie ungern ich mich von euch losgerissen, so muss ich es doch als ein Glück betrachten, dass es mir vergönnt ist, wieder inmitten des vollsten Künstlerlebens zu sein".
Die meisten und hauptsächlich guten Arbeiten sind in der Münchner-Zeit entstanden.
Trotzdem war Jakob Nüesch auch in dieser Zeit immer wieder genötigt, bei seinem Vater Geld zu borgen. Dies drückte ihn immer wieder nieder und es bedurfte oft des Zuspruches seiner Lehrer und Freunde.
Seine Ferien verbrachte Jakob regelmässig im Elternhaus in Balgach. Wie sehr er mit seiner Familie und seinen Freunden verbunden war, zeigen seine vielen Briefe, die er nach Hause schrieb. An Aufträgen fehlte es dem Künstler auch in der Heimat nicht. Trotzdem brachte er es auf keinen grünen Zweig. Von einem Erfolg konnte man schon gar nicht reden und dies, obwohl seine Bilder an einigen Ausstellungen vertreten waren (so zum Beispiel in St. Gallen, Zürich und Bern).
Als dann die grosse Sorge, das Erkennen um "Hieher und nicht weiter!" kam, da war es für die Stärke von Jakob Nüesch zuviel. Niedergeschlagenheit und Minderwertigkeitsgefühle lähmten die vordem so rege Arbeitskraft des entmutigten Malers. Der kunstsinnige Kreis um Ida Custer-Faller und ihren Ehemann Jakob Friedrich Custer auf Schloss Grünenstein setzte sich mit allen Mitteln dafür ein, den bescheidenen und stillen Menschen zu stärken.

Flucht nach Amerika

Ein Zufall wollte 1880 dieser grossen seelischen Not ein Ende setzen. Sein Freund Johann Schachtler, Rektor in Aarau, bot ihm die Stelle eines Zeichnungslehrers an der höheren Knaben- und Mädchenschule in Aarau zu besetzen. Doch Jakob bewarb sich nicht um diese Stelle. Er flüchtete nach Amerika zu seinen zwei Brüdern, dem älteren Johann und dem jüngeren Robert. Zehn Jahre lebte Jakob in Pittsburg, Kansas. Nur wenige Skizzen sind aus dieser Zeit erhalten. Er malte Serienbilder und fristete so sein armes Leben, in welchem die Kunst verkam. Sein Bruder Robert, der in Amerika zu Wohlstand gekommen war, verschaffte Jakob oft Aufträge. Doch diese Arbeit befriedigte ihn nicht. Sie ermüdete ihn an Geist und Seele, so dass er schliesslich 1890 arm, mutlos und gebrochen wieder ins Rheintal zurückkehrte.


Ein gebrochener Mensch

Liebevoll nahmen ihn seine Geschwister auf, da die Mutter und der Vater in der Zwischenzeit gestorben waren. Auch seine Freunde freuten sich. Johannes Brassel, Lehrer in St. Gallen, und die Familie Custer auf Schloss Grünenstein bemühten sich vergeblich, den Mutlosen wieder aufzurichten. Die alte Freude zur Kunst war nur noch ein winziges Flämmchen. Am 20. März 1895 sandte Robert Nüesch aus Pittsburg seinem Bruder einen Brief, in dem er ihm eine Fotografie verspricht, nach der er ein Bild malen sollte. Als ihn der Brief erreichte, lag Jakob Nüesch bereits mit einem schweren Nieren- und Leberleiden im Kantonsspital St. Gallen, wohl wissend um seinen Zustand. Drei Wochen später, am 19. Mai 1895 starb er an einer Gesichtsrose.
Auf dem evangelischen Friedhof in Balgach wurde er zur letzten Ruhe gelegt. Im Nachruf im St. Galler Tagblatt hiess es damals: "Der bescheidene Künstler ist still, nur allzu still, die dornigen, oft brotlosen Pfade der Kunst gewandelt und hat dabei der Rosen nicht allzu viele gepflückt."


Späte Ehre

Dank der kleinen Kunststätte im Schloss Grünenstein in Balgach sind seine Werke bis zum heutigen Tag erhalten geblieben. 50 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1945, wurden in Balgach Jakob Nüeschs Werke erstmals ausgestellt. Skizzen verraten, dass er jahrelang versucht hat, ein Jagdbild mit der Göttin Diana zu schaffen. Ebenso hat er um ein Motiv für ein Madonnenbild gerungen. Beides ist ihm nicht gelungen. 1949 brachte Pro Juventute Karten von Bildern des Künstlers Jakob Nüesch auf den Markt.
Mehr als 50 der besten Werke von Nüesch wurden anlässlich des 100. Todestages 1995 im Alten Rathaus in Balgach gezeigt.

Ernst Nüesch, Jan. 08
Quellen:
Lebenslauf, zusammengetragen für die Ausstellung 1945 von Irma Rutishauser.
Ausstellungsbroschüre 1995, Ruth Alder.
Jakob Bösch: Der Hof und die Gemeinde Balgach, 1968. Lebensbild.